Das bestehende Kneippbecken im gemeindlichen Kurpark wird derzeit noch mit Trinkwasser gespeist. Angesichts der zunehmenden Wasserknappheit ist dies auf Dauer nicht mehr vertretbar. Der Gemeinderat hat deshalb einstimmig beschlossen, das Becken künftig nicht mehr mit Leitungswasser zu befüllen und stattdessen eine Lösung mit Wasser aus dem Bach zu verfolgen.
Mit der geplanten Maßnahme wird nicht nur Trinkwasser eingespart, sondern auch der öffentliche Raum deutlich aufgewertet. Entstehen sollen zusätzliche Begegnungsflächen, mehr Aufenthaltsqualität und ein naturnahes, gesundheitsförderndes Freizeitangebot für Einheimische und Gäste. Gleichzeitig wird der ökologische und wasserwirtschaftliche Zusammenhang des Baches stärker berücksichtigt. Wichtig bei einer Verlegung in den Bach sei allerdings, betonte die Bürgermeisterin, dass ein kleiner seitlicher Bereich dafür geschaffen werde. Sonst sei das Kneippbecken nach jedem Hochwasser zerstört.
Zur Umsetzung wurden zwei Möglichkeiten beraten. Variante A sieht einen Neubau des Kneippbeckens direkt am Bachlauf vor, mit naturnahem, barrierearmen Wassertretbereich, ökologischer Uferaufwertung und einer möglichen Umnutzung der bisherigen Fläche als offene Begegnungszone. Die Kosten für den Neubau lägen bei rund 100.000 Euro. Der Rückbau des alten Beckens wird mit ca. 28.000 Euro angesetzt.
Variante B setzt auf die Sanierung des bestehenden Beckens mit einer Entnahme des Wassers aus dem Bach. Diese Lösung wäre mit etwa 74.000 Euro zwar günstiger, würde jedoch zusätzliche laufende Kosten für eine Pumpe und auch weiterhin einen nicht unerheblichen Reinigungsaufwand verursachen. Nach Abstimmung mit Gesundheitsamt und Wasserwirtschaftsamt wurde deutlich, dass eine Sanierung des Beckens bei den Fördergebern nicht förderfähig wäre, für alle Behörden aber generell die Nutzung des Bachwassers denkbar wäre und zwar vor allem deshalb, weil das Wasser wieder in den Bach zurückfließt oder gleich im Bach verbleibt. Für die größere Neubaulösung wurden hingegen grundsätzlich Fördermöglichkeiten signalisiert.
Der Gemeinderat entschied sich schließlich einstimmig dafür, das Kneippbecken in den Bachlauf zu verlegen. Das bestehende Becken soll künftig als Barfußpfad nachgenutzt werden, möglichst als Bürgerprojekt. Auch die Einbindung von Kindergarten, Schule und Bevölkerung wurde angeregt, um das Vorhaben gemeinsam zu gestalten und die Kosten zu senken.
Um die Nutzung noch attraktiver zu machen, wurde zudem über weitere Elemente wie einen flacheren Einstieg, Natursteinblöcke, eine Holzplattform oder eine bessere Zugänglichkeit in den angrenzenden Bereichen gesprochen. Auch das Armbecken soll erhalten werden, so das mehrheitliche Votum des Gemeinderates.
Wassersparen hat Vorrang
Die Diskussion wurde auch vor dem Hintergrund der aktuellen Wassersituation in Bernau geführt. Wegen der anhaltenden Dürre sinkt der Wasserstand in den Hochbehältern; der tägliche Verbrauch liegt derzeit deutlich über dem Durchschnitt. Auch wenn die Lage noch nicht dramatisch ist, wird sie zunehmend angespannt. Vor diesem Hintergrund war sich das Gremium einig: Ein Weiterbetrieb des Kneippbeckens mit Trinkwasser wäre das falsche Signal. Die Gemeinde prüft nun, ob kurzfristig der Betrieb des Beckens durch Wasserentnahme aus dem Bach aufrechterhalten kann. Das Wasser aus dem Kneippbecken fließt dann wieder zurück in den Bach. Sollte dies nicht möglich sein, wird der Betrieb eingestellt. So der einstimmige Tenor des Gremiums.
Grobstudie für die Verlegung des Kneippbeckens in den bestehenden Bachlauf vom Büro SEP Baur, München. Dieses Grobkonzept wird nun ergänzt durch die Vorschläge des Gemeinderates zur Feinplanung weitergeführt und dann dem Gremium wieder vorgestellt.