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Bauen & Umwelt

Vogelschutzgebiet Irschener Winkl

Kiebitz

(Foto: Johannes Almer)

Bayerisches Biodiversitätsprojekt in Bernau-Felden

Vielfalt des Lebens im Irschener Winkel

Der Irschener Winkel mit seinen angrenzenden, blumenreichen Streuwiesen zählt noch zu einem der artenreichsten Gebiete am Chiemsee. Die Flachwasserzone mit seiner üppigen Schwimmblattvegetation an Teichrosen und den Schilf- und Röhrichtzonen entlang des Ufers bietet einer Vielzahl teils sehr seltener Vogelarten, wie etwa dem Schwarzhalstaucher oder dem Drosselrohrsänger letzten, geeigneten Lebensraum. Nicht zuletzt ist der See hier auch wichtiger Lebensraum für Fische und Wasserinsekten. Die landseitigen Streuwiesen, die in Teilbereichen noch erhalten geblieben sind, werden alljährlich entsprechend ihrer traditionellen Nutzung spät gemäht. Der Aufwuchs dieser nassen Wiesen dient als Einstreumaterial im Stall und wird traditionell nach der Heuernte, nämlich im Spätsommer bzw. Herbst gemäht. Dank einiger ortsansässiger Landwirte blieb dieser wertvolle Lebensraum im Kleinen erhalten. Sie beherbergen eine außergewöhnliche Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten und gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Im Irschener Winkel finden sich hier unter anderem noch seltene, gefährdete Schmetterlingsarten wie das Blaukernauge, der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder der Baldrian-Scheckenfalter. Und auch die vom Aussterben bedrohte Bekassine brütet hier noch vereinzelt. Andere Arten sind mittlerweile verschwunden. Wie etwa der Kiebitz, der bis in die Mitte der 1980er Jahre noch mit rund 20 Brutpaaren vertreten war und zuletzt Anfang der 1990er Jahre noch mit wenigen Brutpaaren vorkam. Durch die geänderte Landnutzung mit früherem Schnitt und die vermehrte Ausbringung von Wirtschaftsdünger geht geeigneter Lebensraum verloren. Andererseits können auch querfeldeinlaufende Spaziergänger und freilaufende Hunde, die nicht auf den Wegen bleiben störempfindliche Arten wie den Kiebitz vom Brutgeschäft abhalten. Der Gebietsbetreuer Chiemsee, Dirk Alfermann, bittet daher alle Besucher des Irschener Winkels auf den Wegen zu bleiben und Hunde an der kurzen Leine zu führen, um etwaige Störungen zu vermeiden. Ziel des Biodiversitätsprojektes ist es, durch den Gewinn weiterer, extensiv bewirtschafteter Flächen den Lebensraum für Wiesenbrüter wie Bekassine oder Kiebitz zu verbessen. Auf geeigneten Flächen sollen nach Möglichkeit Flachwasserzonen, sogenannte Seigen, angelegt werden, um das Gebiet für diese Arten attraktiver zu machen. „Es wäre wünschenswert“, so Alfermann, „wenn noch weitere Landwirte bereit wären, wieder ihre Streuwiesen extensiver zu bewirtschaften bzw. grundsätzlich wieder zu nutzen.“ Da heutzutage eine Bewirtschaftung von Streuwiesen für viele Landwirte nicht mehr rentabel ist, werden immer mehr Flächen nicht mehr gemäht. Ohne die traditionelle Herbstmahd entwickeln sich Streuwiesen aber zu Waldgesellschaften, in denen die typischen lichtbedürftigen Pflanzen- und Tierarten keine geeigneten Lebensbedingungen mehr vorfinden. Eine angepasste landwirtschaftliche Nutzung bildet deshalb den Schlüssel zur Erhaltung der Streuwiesen und ihrer Artenvielfalt.
Das Vertragsnaturschutzprogramm, ein Förderprogramm des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, honoriert die pflegliche Bewirtschaftung dieser Wiesen und auch weiterer ökologisch wertvoller Lebensräume. Falls Sie Eigentümer oder Bewirtschafter von Flächen im Irschener Winkel sind und Interesse am Vertragsnaturschutzprogramm haben (oder gerne auch bei weiterem Interesse am Projekt), melden Sie sich bitte bei Dirk Alfermann, Tel. 0861/58-298, oder der unteren Naturschutzbehörde, Manuela Müller, Tel. 08031/392-6405.

Baldrianfalter

Der Baldrian-Scheckenfalter besiedelt überwiegend nasse bis wechselfeuchte Wiesen mit Baldrian-Pflanzen, die den Raupen als Nahrung dienen. (Foto: Johannes Almer)